Biber & Butzemann

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Viele Jahre haben wir unabhängigen Verleger dafür geworben, unsere Bücher doch bitte beim Buchladen um die Ecke zu bestellen. Grundsätzlich ist das immer eine gute Idee und natürlich erst recht jetzt, wo Amazon lieber Klopapier verkauft und bis Mai keine Bücher mehr bei den Verlagen nachbestellt. Aber wenn man Pech hat, ist das gewünschte Buch im Laden um die Ecke nicht lieferbar.

Wie die Libri-Auslistungen dem Kundenservice und den Verlagen schaden

Um Missverständnissen vorzubeugen: Wie alle Verleger liebe ich kleine, inhabergeführte Buchhandlungen und kaufe gern dort. Doch seit einem dreiviertel Jahr ist das Verhältnis zwischen unabhängigen Verlagen und Buchhändlern nicht mehr ganz ungetrübt. Ursache dafür ist der Buchgroßhändler Libri, der im vergangenen Sommer heimlich, still und leise die Zahl seiner lieferbaren Titel um knapp ein Viertel reduzierte. Dabei wurden vor allem die Bücher kleinerer Verlage auslistete – klar, die verkaufen sich nicht so oft wie die der großen Player.

Das hat zur Folge, dass Buchhandlungen, die sich ausschließlich von Libri beliefern lassen – und das sind leider hunderte – beispielsweise nur noch 40 meiner 65 Titel für ihre Kunden bestellen können. Das gilt auch für alle Buchhändler, die bei Geniallokal.de gelistet sind – eine Plattform, die in den letzten Wochen häufig empfohlen wurde. Und was das schlimmste ist: Es trifft nicht nur auf stationäre Buchhandlungen zu, sondern auch auf Online-Buchhändler wie Ecobookstore, Buch7, Fairbuch und Ecolibri, die ich immer gern als Amazon-Alternative empfohlen habe. 

Warum ihr die Aussage „nicht lieferbar“ nicht unbesehen glauben dürft

Was also tun? Bitte kauft im Buchladen um die Ecke und hamstert, was das Zeug hält, glaubt dem Buchhändler aber bitte nicht, wenn er euch sagt, dieses oder jenes Buch wäre nicht lieferbar. Wahrscheinlich ist das Buch nur über das Barsortiment Libri nicht lieferbar.

In unserem Fall sind z.B. bis auf unser Butjadingen/Bremerhaven/Bremen-Buch, das es derzeit tatsächlich nur noch direkt über den Verlag gibt, alle Bücher sofort verfügbar – nicht nur die 40, die sich über Libri am besten verkaufen und deshalb nicht ausgelistet wurden. Also bitte hakt nach, ob das gewünschte Buch nicht vielleicht bei einem anderen Barsortiment, der Auslieferung oder beim Verlag bestellt werden kann. Ein guter Buchhändler wird genau das tun. Sagt er jedoch nein, schaut bitte zuhause selbst nach, ob ihr das Buch nicht doch im Internet - zum Beispiel direkt beim Verlag - bestellen könnt. Manche Buchhändler scheuen einfach den Aufwand, andere dürfen aufgrund von entsprechenden Verträgen wirklich fast ausschließlich bei Libri bestellen. 

Kunden- und Verlagsfreundliche Lösungen sind möglich

Wenn die Buchhandlung um die Ecke nach anderen Bestellmöglichkeiten sucht oder sich statt von Libri von den Großhändlern KNV oder Umbreit beliefern lässt, sieht die Sache natürlich anders aus. Hier könnt ihr, ebenso wie bei buecher.de, Thalia.de und Hugendubel.de auch, die meisten meiner Bücher und die vieler anderer unabhängiger Verlage problemlos bestellen. Die, die nicht auf Lager sind, besorgen die anderen Barsortimente einfach. Das dauert dann vielleicht ein paar Tage, aber ist auf jeden Fall immer noch schneller als Amazon gerade. Diese sogenannten „Bestelltitel“ sind kundenfreundlich und unterstützen die Verlage.

Warum Libri das als einziges Barsortiment nicht hinbekommt, versteht niemand. Leider haben es die meisten Libri-Buchhändler versäumt, dagegen zu protestieren, insofern wird sich das wohl so bald auch nicht ändern. Aktualisierung: Offenbar haben die Buchhändler sogar energisch protestiert - siehe Kommentar - es hat Libri nur nicht interessiert. 

Kommentare  

#4 Daniel Lager 2020-04-17 22:19
Ja, es ist doof, dass Libri Verlagsprodukte auslistet, auch wenn sie lieferbar sind.
Aber ich kenne wirklich keine*n buchhandelnden Kolleg*in, die/der nicht alles in Bewegung setzt, um für eine*n Kund*in alles mögliche zu finden und ggf. zu bestellen.
Und man darf nicht vergessen, dass Libri ein Barsortiment betreibt - ein Wirtschaftsunternehmen, das Geld verdienen will und muss. Das tut man nicht damit, Titel zu listen, die kein Geld bringen, sondern mit welchen, die sich gut verkaufen. Ich finde das nicht schön, aber nachvollziehbar.
Viel wichtiger als eine Listung durch Libri (oder welches Barsortiment auch immer) wäre doch eine gute Anbindung ans VLB mit korrekten Datensätzen, guter Erreichbarkeit und schneller Logistik. Dafür ist das VLB da, schließlich heißt es nicht zufällig "Verzeichnis lieferbarer Bücher" Und anständige Preise & Rabatte, damit es sich auch für den Buchhändler lohnt, Produkte von kleineren und Kleinstverlagen anzubieten, wäre schon super.
#3 Thorsten Wirth 2020-04-15 08:54
Hallo Fr. Berger, das Geschäftsmodell der eBuch sieht doch vor, dass die teilnehmenden Händler ihren Hauptumsatz mit Libri machen und nur ein bestimmter Prozentsatz anderweitig zulässig ist? Und auch Libri schreibt seinen sonstigen Barsortimentskunden bestimmte Umsatzgrößen vor, ohne die eine schnelle (tägliche) Belieferung nicht stattfindet?
Das wären doch schon zwei Beispiele dafür, dass (kleinere) Händler auf den Bezug bei einem großen Lieferanten festgelegt werden, oder? Insofern ist der Hinweis von Frau Bieber-Geske schon berechtigt.
#2 Steffi Bieber-Geske 2020-04-15 06:52
Liebe Frau Berger,
vielen Dank für diese wichtige Ergänzung. Leider ist es bei uns unabhängigen Verlegern überhaupt gar nicht angekommen, dass die Buchhändler gegen die Auslistungen gekämpft haben, und das hat mich tatsächlich sehr enttäuscht, weil es das Gefühl, dass unsere Bücher nicht relevant sind, vermittelt hat. Es freut mich sehr zu hören, dass es nicht so ist - und dass die meisten Buchhändler das gewünschte Buch trotzdem besorgen. Auch da gibt es leider wie in jeder Branche schwarze Schafe, aber die sollten das Gesamtverhältnis in der Branche nicht trüben, da haben Sie recht. Hoffen wir gemeinsam, dass die Kunden, die gerade den tollen Service ihrer Buchhandlung kennenlernen, sich auch nach der Krise daran erinnern.
#1 Katrin Berger 2020-04-15 06:27
Leider stimmt das im Artikel beschriebene nur bedingt. Es gibt hunderte von kleinen Buchhandlungen, die gegen diese Auslistungen gekämpft haben, allen voran viele Mitglieder der e-Buch, also dem Betreiber von genialokal. Wir als Buchhändler sind genauso unglücklich darüber. Aber jeder halbwegs engagierte Händler besorgt das Buch trotzdem. Leider ist es oft auch so, daß der Kunde, wenn man ihm sagt, dass es ein paar Tage dauern wird, lieber bei Amazon bestellt. Und wahrscheinlich wird er auch ganz schnell nach corona wieder vergessen, daß Amazon im Moment Bücher nicht so wichtig findet. Ich kenne übrigens kein Geschäftsmodell, bei dem der Händler gezwungen ist, nur bei Libri zu bestellen.
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