Märchenhafte Ausflugsziele für Familien in der Grimm-Heimat Nordhessen
Unsere Autorin Andrea Nesseldreher hat hier ihre besten Tipps für Ausflugsziele in der Region Nordhessen für euch zusammengefasst:
Wahrlich märchenhafte Ausflüge lassen sich in und rund um die nordhessische Stadt Kassel erleben. Nicht umsonst heißt diese Region „Grimm-Heimat", denn hier haben die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm nicht nur gelebt und gearbeitet, sondern hier befinden sich auch die Ursprünge der als „Kinder- und Hausmärchen" in die Literaturgeschichte eingegangene Sammlung der Brüder Grimm. Viele Märchen, die uns heute noch im präsent sind, basieren auf Erzählungen, die in Nordhessen über Jahrhunderte überliefert wurden. Geheimnisvolle Orte, die wir aus Märchen kennen, warten auf Besucher. Unsere Autorin Andrea Nesseldreher hat die schönsten Ausflugsziele mit Kindern zusammengestellt.
Interessantes für die ganze Familie in der Grimmwelt
Ein guter Ausgangspunkt für eine Reise durch die Grimm’sche Märchenlandschaft ist Kassel. Hier befindet sich die Grimmwelt, ein Museum, das den Brüdern gewidmet ist. Kinder wie Erwachsene kommen in dieser einzigartigen Ausstellung gleichermaßen auf ihre Kosten.

Die jüngeren Besucher erkunden Dornröschens Hecke, erforschen das Hexenhaus von Hänsel und Gretel und ertappen den Wolf im Bett von Rotkäppchens Großmutter. Derweil können Erwachsene Märchen in verschiedenen Sprachen anhören oder sich mit dem zweiten großen Arbeitsschwerpunkt der Brüder Grimm beschäftigen, der deutschen Sprache.
Nicht umsonst wird das „Deutsche Wörterbuch“, das die Brüder zu ihren Lebzeiten begonnen, aber nicht selbst vollendet haben, auch schlicht „Der Grimm“ genannt. Über 300.000 Stichworte sind in mühevoller Kleinarbeit in 32 Bänden zusammengetragen worden. Die Entstehung und Weiterentwicklung des „Grimm“ lassen sich in der Ausstellung gut nachvollziehen.
Tipp: Unbedingt die Schimpfwortmaschine zum Duell herausfordern und so lustige Schimpfwörter wie „Hundsfott“ oder Geigenlöffel“ erfahren.

Ausflugsziele für jedes Wetter: Auepark und Auebad
Hat man die Grimmwelt verlassen, sollte man nicht versäumen, auf das Dach des Museums zu steigen. Von der dortigen Terrasse hat man einen einzigartigen Ausblick über die Stadt und den Auepark rund um die Fuldaaue. Die weitläufige Grünfläche ist eine gute Möglichkeit, für eine kleine Picknickpause, vielleicht im Schatten der großen Hängebuche oder auf der Blumeninsel Siebenbergen.
Wer sich für Weltraum, Planeten und unser Sonnensystem interessiert, für den bietet der Auepark gleich zwei Highlights. Interessierte können sich auf den Planetenweg begeben. Die einzelnen Planeten unseres Sonnensystems kann man dort in maßstabsgetreuer Entfernung besuchen und bekommt eine gute Vorstellung, welch gigantische Ausmaße unser Universum hat. Weitere spannende Einblicke in den Sternenhimmel bekommt man im Kasseler Planetarium. Seit der Wiedereröffnung im November 2024 kann man dort in bequemen Sesseln auf interstellare Reise gehen. Im gleichen Gebäude befindet sich auch die spannende Ausstellung des astronomisch-physikalischen Kabinetts.
Sollte das Wetter für einen Parkspaziergang nicht geeignet sein, empfiehlt sich eine Stippvisite im nahegelegenen Kasseler Auebad. Das Familienbad mit Innen- und Außenbereich verfügt über eine grandiose Rutsche und einen spektakulären Strömungskanal. Ein Planschbecken für die Allerkleinsten und ein Bistro ergänzen das Angebot. Dort kann man zum vertretbaren Preis einen ganzen Tag verbringen.
Tipp: Unbedingt der Erdrotation mit Hilfe des foucaultschen Pendels auf die Spur kommen. Zu sehen gibt es das Pendel im astronomisch-physikalischen Kabinett.

Wo schon die Grimms wandelten: der Bergpark Wilhelmshöhe
Auf keinen Fall versäumen darf man den Besuch des Bergparks Wilhelmshöhe im benachbarten Bad Wilhelmshöhe. Die Parkanlange aus dem 17. Jahrhundert geht auf Landgraf Karl von Hessen zurück und gehört zum Unesco Welterbe sowie zu den TOP 100-Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Neben Schloss Wilhelmshöhe beherbergt der Bergpark eine Reihe beeindruckender Staffagebauten (also quasi Theaterkulissen), allen voran die Löwenburg, die im Stil einer mittelalterlichen Ritterburg gebaut wurde.
Gekrönt wird die Anlage von der Herkulesstatue, die vom höchsten Punkt des Parks aus stolz auf das angrenzende Kassel blickt. Der Bergpark macht an dieser Stelle seinem Namen alle Ehre, denn es müssen etliche Höhenmeter überwunden werden, um den Herkules zu erreichen.
Das Schönste am Bergpark sind allerdings die Wasserspiele. Basierend auf der Technik des 18. Jahrhunderts ist hier an jeden Sonntag zwischen 1. Mai und 3. Oktober Wasserkunst zu bewundern. Ein gigantisches Speicherbecken speist für ca. eine Stunde einen Wasserstrom, der über Kaskaden, Grotten, künstliche Wasserfälle und ein Aquädukt seinen Weg ins Tal sucht und dort am Ende in einer Fontäne im großen Schlossteich endet. Die Wasserspiele kommen dabei komplett ohne Pumpen aus, alles funktioniert allein durch den Druck des Wassers.
Obwohl die Wasserspiele nur von Mai bis Oktober stattfinden, lohnt ein Besuch im Bergpark auch im Winter, denn dann kann das liebevoll gestaltete Gewächshaus voller exotischer Pflanzen besichtigt werden.
Tipp: Wer noch eins drauf setzten möchte, der erkundige sich nach dem Termin des jährlich einmal stattfindenden Bergparkleuchtens. Zu diesem Anlass werden der Bergpark und die Wasserinstallationen kunstvoll und farbig beleuchtet. Allerdings muss man bei diesem Schauspiel mit vielen Besuchern rechnen und vor allem rechtzeitig vor Ort sein.

Wo Dornröschen und Rapunzel wohnen
Wer wollte schon immer wissen, wo die berühmten Märchenfiguren der Brüder Grimm zuhause sind?
Von Kassel aus lässt sich die Sababurg nahe der Stadt Hofgeismar rasch erreichen. Die romantische Burgruine gilt als Heimat von Dornröschen und in den Sommermonaten kann man ihr samt Prinz dort auch höchstpersönlich begegnen. Außerdem empfiehlt sich ein Abstecher in den nahegelegenen, sehr weitläufigen Tierpark Sababurg.
Wer den Turm sehen möchte, von dem aus Rapunzel ihr Haar herabließ, um den Prinzen hinaufklettern zu lassen, der sollte dem Städtchen Trendelburg einen Besuch abstatten. Der Rapunzelturm liegt mitten in der Stadt und kann besichtigt werden. Auf Trendelburgs historischen Laternen kann man während eines romantischen Spaziergangs zahlreiche Märchenfiguren als Scherenschnitte entdecken.
Besuch bei Schneewittchen, Rotkäppchen und Frau Holle
Besonders anschaulich kann man die Entstehung des Märchens Schneewittchen erleben. Das sogenannte Schneewittchendorf Bergfreiheit (bei Bad Wildungen) trägt seinen Namen, weil es schon lange bergrechtliche Privilegien besaß. Das Kupferbergwerk vor Ort bot im 16. und 17. Jahrhundert vielen Menschen Arbeit. Für die harte Arbeit im Stollen wurden häufig auch Kinder eingesetzt, die als Kopfschutz Mützen trugen – der Vergleich mit Zwergen liegt daher nahe.
Vorbild für das bildhübsche Schneewittchen soll Prinzessin Margaretha von Waldeck gewesen sein, die nur wenige Kilometer entfernt lebte. Auch sie war von legendärer Schönheit. Als junge Frau schickte man sie an den Brüsseler Hof in Brüssel und ihre Reise führte über das Siebengebirge. Weil sie schon im Alter von 21 Jahren starb, glaubten viele, sie sei vergiftet worden. Setzt man diese Einzelteile zusammen, so kann eine Geschichte wie die von Schneewittchen bei den sieben Zwergen hinter den sieben Bergen entstehen. Ein Besuch im Schneewittchenhaus in Bergfreiheit lohnt aber allemal. Auch das Kupferbergwerk kann besichtigt werden.
Ergänzend sei noch erwähnt, dass auch das Rotkäppchenland nah bei Kassel liegt. Der rote Kopfschmuck der Schwälmer Tracht stand Pate für die Figur Rotkäppchen aus dem gleichnamigen Grimm’schen Märchen. Auch Frau Holle kann man begegnen, denn sie soll im nahegelegenen Mittelgebirge Hoher Meissner einst ihre Betten ausgeschüttelt haben.
Tipp: Unbedingt ein Familienfoto mit den Statuen von Schneewittchen und den Zwergen am Ortseingang von Bergfreiheit machen. In der ortsansässigen Edelsteinschleiferei Lange findet sich außerdem das ein oder andere Souvenir.

Auf den Spuren von Dr. Eisenbarth in Hannoversch-Münden
Eine weitere berühmte historische Gestalt, die jedoch einen realen Ursprung hat, ist die des Dr. Eisenbarth. Der reisende Arzt feierte um 1700 große Erfolge im Bereich der augenärztlichen Chirurgie. Sein Sterbeort Hannoversch-Münden erinnert mit Kostümführungen, einem Glockenspiel am Rathaus und allerlei anderen Verweisen an ihn. In Hannoversch-Münden findet sich zudem der berühmte Punkt, an dem Fulda und Werra sich zu Weser vereinigen. Die Weser wird in ihrem Verlauf durch Wasserzufluss aus dem Edersee in ihrem Wasserstand stabilisiert, sodass die Schifffahrt auch in trockenen Zeiten gewährleistet werden kann. Zum Edersee gibt es demnächst einen eigenen Blogbeitrag.
Tipp: Während die Erwachsenen die idyllische Altstadt genießen, suchen die Kinder nach Spuren von Dr. Eisenbarth in Form von Statuen, Hauszeichen und Gaststätten.
Hoch hinaus an der Weser und plaudern mit dem Grafen auf Schloss Berlepsch
Wer gerne in luftiger Höhe die Aussicht genießt, der muss unbedingt den Weser Sky Walk bei Bad Karlshafen erklimmen. Die stählerne Brücke mit atemberaubendem Blick über die Weser liegt in unmittelbarer Nähe des Dreiländerecks.
Tipp: Hier kann man binnen Sekunden zwischen den Bundesländern zwischen Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen hin und her hüpfen.
Nicht umsonst wird das nah bei Kassel gelegene Schloss Berlepsch auch „Tor zum Mittelalter“ genannt. Im 14. Jahrhundert wählten die Grafen von Berlepsch den kleinen Ort Hübenthal bei Witzenhausen zum Stammsitz. Nachdem es im Dreißigjährigen Krieg stark gelitten hatte, erstrahlt die dreiflügelige Schlossanlage seit dem späten 19. Jahrhundert wieder in neugotischem Glanz.
Heute beherbergt Schloss Berlepsch ein Restaurant und kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Die gräfliche Familie bewohnt einen Teil des Schlosses, und Graf Sittich von Berlepsch lässt sich gerne auf einen kleinen Plausch mit Besuchern ein.
Tipp: Kleine Rätselfans können sich im Schlosspark auf Ratetour begeben – Armbrustschießen inclusive!
Passender Lesestoff zur Region Nordhessen
Der passende Lesestoff für eure Reise nach Nordhessen ist mein Buch „Dem Geo-Crasher auf der Spur - Lilly und Nikolas in Nordhessen“. Das Buch findet ihr hier>>




